22. Mercedes-CSI in Zürich
29. bis 31. Januar 2010 im Hallenstadion
Spannung, Emotionen, Unterhaltung. Drei Tage lang war der Mercedes-CSI der leuchtende Stern am internationalen Springsport-Himmel. Ein Event mit Sport auf höchstem Niveau, einer beeindruckenden Show und einem attraktiven Expo-Angebot. Über 35'000 Zuschauer am höchstdotierten Hallenspringreitturnier der Welt erlebten wahre Augenweide. Der Mercedes-CSI wird auch im kommenden Jahr zum sportlichen und gesellschaftlichen Ereignis. Reservieren Sie sich deshalb das Datum schon jetzt: Auf Wiedersehen am 28. bis 30. Januar 2011 im Hallenstadion Zürich.Den Schwung von Windsor nach Kentucky an die Weltmeisterschaften mitnehmen
Im englischen Windsor gewannen sie an den Europameisterschaften Team-Gold. Am Mercedes-CSI werden Clarissa Crotta, Steve Guerdat, Daniel Etter und Pius Schwizer für ihren Titelgewinn geehrt.
Die Schweiz verfügt über ein einzigartiges Sportgebilde. Jährlich finden hierzulande rund 230 000 Sportveranstaltungen statt – das sind durchschnittlich fast 630 pro Tag. Kein anderes Land auf der Welt weist zudem eine solche Dichte an international führenden Sport-Events auf, darunter auch der Mercedes-CSI. Und dank einer Symbiose aus breitem Fundament, gezielter Förderung und entsprechenden Rahmen-bedingungen bringt die Schweiz immer wieder überdurchschnittlich viele Champions hervor – so auch 2009. Roger Federer, Fabian Cancellara, Didier Cuche, Carlo Janka, Ariella Kaeslin, die ZSC Lions oder die U17-Fussballnationalmannschaft versetzten die Nation in Entzücken. Ebenfalls in die Liste der Sieger haben sich die Schweizer Springreiter eingereiht. Am Mercedes-CSI wird das Quartett (Freitagabend, 29. Januar) nun nachträglich für seinen EM-Titel gewürdigt. «Es ist die Anerkennung für eine ausserordentliche Teamleistung», freut sich Equipenchef Rolf Grass.
Aus Einzelkämpfern ein starkes Kollektiv geformt
Rückblick: Wer im Schlossgarten von Windsor Ende August den Schweizern lediglich eine solide Leistung zugetraut hatte, dürfte sich ungläubig die Augen gerieben haben. In einem Herzschlagfinale holten sich Pius Schwizer (Oensingen) auf Ulysse, Daniel Etter (Müntschemier) auf Peu à Peu, Clarissa Crotta (Neuendorf) auf Westside van Meerputhoeve und Steve Guerdat (Herrliberg) auf Jalisca Solier hauchdünn Gold vor den Italienern und den favorisierten Deutschen. Entsprechend ausgelassen feierte die Mannschaft den Triumph. Nach 1983 in Hickstead, 1993 in Gijon und 1995 in St. Gallen war es der vierte EM-Titel einer Schweizer Mannschaft.
Der Gewinn ist nicht zuletzt der Verdienst von Rolf Grass. Der Chefcoach hat mit seinen teambildenden Massnahmen aus Einzelkämpfern einmal mehr ein starkes Kollektiv geformt. «Es war meine Wunschmannschaft. Ich war überzeugt, dass wir mit dieser Equipe eine Medaille gewinnen können», blickt Grass zurück. Seine Aussage mag auf den ersten Blick erstaunen, denn die Schweizer holten die Goldmedaille ohne die langjährigen Stützen Christina Liebherr, Markus Fuchs, Beat Mändli und Niklaus Schurtenberger. Der Architekt des Schweizer Erfolgs schenkte dafür den EM-Debütanten Clarissa Crotta und Daniel Etter das Vertrauen. Deshalb sagt er auch: «Für mich ist es die sportlich bisher wertvollste Auszeichnung.»
Grass achtet bei den Nominationen nicht auf Namen und deren Renommee, sondern pflegt mit den jeweils aktuell formstärksten Paaren anzutreten. Solche Entscheide seien zuweilen unbequem, gibt er zu. An der EM hat es sich aber einmal mehr ausbezahlt. «Trotz einiger Vorbehalte bin ich meiner Philosophie treu geblieben», so der Gossauer Unternehmer, der seit sechs Jahren die Zügel als Teamchef in den Händen hält.
Grass führt seine Kader so, wie er seine Firmen führt. Vorzugsbehandlung gibt es bei ihm nicht. Wenn er glaubt, dass ein Reiter im entscheidenden Moment nicht in der Lage ist, sein volles Leistungsvermögen abzurufen, muss dieser damit rechnen, nicht berücksichtigt zu werden. Beispiel Olympische Spiele 2008: In Hongkong bekam der vermeintliche Fixstarter Daniel Etter den kompromisslosen Stil von Grass zu spüren und wurde zum Zuschauen verdammt. «Das führte verständlicherweise zu einigen Spannungen», erinnert sich Grass. Der sportliche Erfolg gab ihm aber auch hier letztlich recht. Als beste europäische Mannschaft gewann die Schweizer Equipe hinter den USA und Kanada die Bronzemedaille.
Alle ziehen am gleichen Strick
Mit der Ernennung von Rolf Grass zum Equipenchef hat der Managementgedanke im Team Einzug gehalten. Es ist dem 60-Jährigen gelungen, der Organisation eine zeitgemässe Struktur zu geben. «Abläufe in der Wirtschaft und im Sport sind vergleichbar.» Die Erfahrungen aus seinem Unternehmen lässt er in seine Funktion als Chefcoach einfliessen. Was in der Praxis soviel heisst, dass alle Involvierten – Besitzer, Reiter und Funktionäre – miteinbezogen werden und am gleichen Strick ziehen. In dieses Erfolgspuzzle passt auch die individuelle Trainerbetreuung. Ehemalige Spitzenathleten des Springsports helfen tatkräftig mit: Markus Fuchs berät neben seiner Haupttätigkeit als italienischer Equipenchef Pius Schwizer, Willi Melliger unterstützt Clarissa Crotta, Thomas Fuchs coacht Steve Guerdat und Daniel Etter greift auf die Dienste des erfahrenen Franzosen Hervé Godington zurück.
Unter der Ägide von Rolf Grass haben die Schweizer zu einer bemerkenswerten Konstanz gefunden. In den acht Nationenpreisen in diesem Jahr standen die Reit-genossen fünfmal auf dem Podest. «Ich betrachte die Ergebnisse als Bestätigung, dass sich eine konsequente Haltung auszahlt.»
Diese Erkenntnis dürfte mit dem nötigen zeitlichen Abstand auch bei Daniel Etter gereift sein. Die Enttäuschung von Hongkong hat der Berner längst verarbeitet und für sich die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Etter reitet so konstant wie selten zuvor. Nach dem EM-Titel gewann er die beiden ersten Weltcup-Prüfungen Oslo und Helsinki. Damit hat sich Etter bereits so gut wie sicher für das Finale in Genf (14. bis 18. April) qualifiziert.
Den Blick nach Lexington gerichtet
Für den Heim-CSI im Hallenstadion will das Quartett nicht nur Glückwünsche für ihren Erfolg entgegennehmen, sondern auch für sportliche Akzente besorgt sein. Insbesondere Steve Guerdat hat noch eine Rechnung offen. Vergangene Saison musste er als Weltcup-Leader wegen einer Rückenoperation auf eine Teilnahme in Zürich verzichten. «Das war bitter und hat mich geärgert», sagt der 27-Jährige. Gar von ihrem Lieblingsturnier spricht Clarissa Crotta. Ihre Affinität zum Mercedes-CSI überrascht nicht: 2009 klassierte sich die Tessinerin mit West Side van Meerputhoeve als bestes Schweizer Paar bei der Mercedes Classic auf Rang 5 und sprang so mitten in die Weltspitze. Und Pius Schwizer lieferte sich beim Toshiba Knock-out ein mitreissendes Finalduell mit Niklaus Schurtenberger.
Rolf Grass’ Gedanken kreisen derweil bereits um den nächsten Grossanlass. Un-mittelbar nach dem Gewinn des EM-Titels haben seine Planungen für die Weltreiter-spiele im kommenden Herbst (25. September bis 10. Oktober ) in Lexington begonnen. Im US-Bundesstaat Kentucky will er seine Reiter mit der bewährten Methode wieder in die Nähe der Edelmetallränge führen. Oder doch mehr? «Keine Frage, ein Medaillengewinn wäre die Krönung unserer gemeinsamen Arbeit.» Es wäre aber bei Weitem nicht alles: Ein Platz auf dem Podest würde einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2012 in London garantieren und zudem die Aussichten auf weitere Schweizer Erfolgsmeldungen verschönern.
